Psychokardiologie nach Myokardinfarkt

 

Projektleitung

Priv.-Doz. Dr. med. Corinna Lebherz, Oberärztin
Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin Universitätsklinikum Aachen

Beteiligte

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Klaus Mathiak, Ltd. Oberarzt für Psychosomatik, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinikum Aachen
Prof. Dr. med. Nicole Kuth, Leiterin Lehrgebiet Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Aachen
Dr. Matthias Rau, Assistenzarzt in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin, Universitätsklinikum Aachen

Der akute Myokardinfarkt (Herzinfarkt) ist eine der Haupttodesursachen in den westlichen Ländern. Herzerkrankungen führen sehr häufig zu ausgeprägten Einschränkungen der Lebensqualität mit Blick auf das körperliche Wohlbefinden und die psychische Verfassung. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass ungefähr 30 % aller Patienten unmittelbar nach einem Myokardinfarkt an einer depressiven Symptomatik leiden. Das Auftreten einer Depression beeinflusst wiederum die Prognose der somatischen Erkrankung negativ - so zeigte sich bei Patienten mit Depression ein mehr als 9-fach erhöhtes Risiko für einen erneuten Myokardinfarkt in einem Zeitraum von zwei Jahren nach dem Erstereignis im Vergleich zu Patienten ohne Depression. Weiterhin legt die aktuelle Literatur dar, dass eine bidirektionale Wechselwirkung zwischen einer Depression und einer koronaren Herzerkrankung zu bestehen scheint. Einen zentralen Faktor in diesem Zusammenspiel scheint der brain derived neurotrophic factor (BDNF) darzustellen. BDNF gehört zur Familie der Nerven-Wachstumsfaktoren und wird im zentralen und peripheren Nervensystem in einer Vorläuferform synthetisiert (preproBDNF). Serumspiegel des BDNF sind bei Patienten mit Depression erniedrigt. Auch wenn die aktuell gültigen Empfehlungen der American Heart Association ein Screening auf Depression bei Patienten mit Myokardinfarkt empfehlen, gibt es jedoch bisher keine Evidenz, dass die Behandlung einer Depression mit einem verbesserten kardiovaskulären Outcome vergesellschaftet ist. Außerdem zeigt die aktuelle Datenlage insbesondere im hausärztlichen Versorgungssektor Lücken hinsichtlich Prävention, Diagnostik und der Therapie postmyokardinfarkt-depressiver Störungen auf. Ebenso zeigen sich große Defizite in den vorliegenden Daten hinsichtlich der Prävalenz einer Depression im hausärztlichen Sektor und der Frage wie häufig diese mit einer koronaren Herzerkrankung/Myokardinfarkt vergesellschaftet sind. An diesen Endpunkten möchte die vorliegende Studie ansetzen.

Forschungsschwerpunkte

Einfluss der hausärztlichen Intervention auf die Lebensqualität und psychisches Wohlbefinden 6 Monate nach Studieneinschluss in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Kardiales Outcome (LV-Funktion, körperliche Belastbarkeit) 6 Monate nach Studieneinschluss in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Prävalenz der Depression bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt.

Unterschiede hinsichtlich Versorgungsparameter zwischen der Interventionsgruppe und der Kontrollgruppe (Psychopharmaka, Psychotherapie, psychosomatische Grundversorgung).

Korrelation der Depression und des Therapieerfolges mit Biomarkern (z.B. BDNF Spiegel) und Thrombozytenfunktion.